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Zwei Formen von Gewahrsein und ihre energetischen Auswirkungen


1. Nicht zentriertes, gerichtetes Gewahrsein



Das ICH schickt eine krampfhafte, gerichtete, ängstliche und schwache Abgesandte des eigenen Gewahrseins aus, die letztlich nichts bewirkt, nur entkräftet und enttäuscht zur Mitte zurückkehrt und keine neue Kraft heim bringt… Sich ausgenutzt fühlt, weil sie insgeheim einen Handel vorausgesetzt hat, der unbewusst und unkommuniziert fehlschlug („ich gebe etwas und bekomme etwas zurück“). 

Das ICH empfindet sich als „am Rand“ des erlebten Universums, ungesehen, machtlos, angstvoll und enttäuscht. Kein DU wird wirklich von seinem Gewahrsein und seiner Energie berührt oder gar durchdrungen. Und weil es in diesem Modus stetig an Energie verliert, kommt das ICH auch nicht ins Handeln. Die Beziehungen bleiben oberflächlich, leblos oder enttäuschend und das ICH fühlt sich isoliert, ungeliebt und machtlos. Es entwickelt eine Händlermentalität, die nur von sich gibt wenn sie sicher ist, dass sie gleich viel oder mehr zurück bekommt…


2. Zentriertes, sich ausdehnendes Gewahrsein


Das ICH nimmt den zentralen Platz im erlebten Universum ein. In der Mitte seines Seins dehnt es sich rhythmisch aus und referiert immer wieder zurück zu seiner Mitte. Dabei berührt es ohne Mühe oder Intention ganz natürlich diejenigen DUs am höufigsten und intensivsten, die ihm am nächsten stehen. Mit steigender Kraft und Ausdehnung hat es aber auch die Möglichkeit, diejenigen DUs zu berühren, die ihm nicht nahe stehen, aber auf den ausgesendeten Frequenzen liegen.  In dieser Gewahrseinsform könnte beispielsweise das Thema Soziale Gerechigkeit mühelos berührt und mit Gewahrsein durchdrungen werden, weil es quasi „auf dem Weg liegt“. In der Folge bringt das heimkehrende Gewahrsein Ideen und Impulse mit ins Zentrum des Seins, die eventuell dafür sorgen, dass die eigenen Entscheidungen zum Thema soziale Gerechtigkeit positiv verändert werden. In der natürlichen Schwingung um das zentrierte ICH gibt es einen Impetus von Kraft, der immer das gesamte Gewahrsein auf Reisen schickt. Nicht wie im ersten Modell, in dem zum einen nur ein sparsamer Bruchteil von Gewahrsein ausgesendet wird, der dann auch noch geschwächt und verbraucht heim kommt…


Fazit


Aus diesen beiden Veranschaulichungen wird klar, warum das selbstzentrierte ICH kein egoistisches unsoziales Konzept ist, sondern wahrscheinlich den Seinsmodus darstellt, der sowohl zur glückbringenden, erfüllenden Selbstentfaltung führt, als auch für das gesamte nahe und ferne Lebensumfeld die maximale Energie und Wirkungskraft des ICH ermöglicht. Voraussetzung dafür ist es, dass das Individuum seinen eigenen Seinsmittelpunkt findet und einnimmt und von dort aus sich organisch, d.h. der eigenen Freude folgend, ausdehnt. 


Hindernisse auf diesem Weg sind alte Muster, die auf vergangenen Erfahrungen von Stress, Angst, Machtlosigkeit, Verlust und Enttäuschung beruhen und gewohnheitsmäßig durch Kontrolle, Manipulation und Opferbewusstsein aufrecht erhalten werden. Will man diese Muster durchbrechen, wird man mit ebendiesen vergangenen Erfahrungen konfrontiert und muss sie neu ins Gesamtbild einordnen um künftig an ihnen vorbei neue Wege der Ausdehnung und persönlichen Kraft beschreiten zu können. Hilfe bieten bewusstseinsfördernde Praktiken wie Meditation und Atemübungen, Amygdalatraining, Tapping und vor allem Neuroplastizitäts-Arbeit. 


Der erste Schritt ist jedoch immer das Bewusstsein für die beiden Formen von Gewahrsein und ihre Auswirkungen für das ICH. In einer Welt, die uns von Kindesbeinen an lehrt, uns selbst zu verleugnen und den Ersatz für das Glück sich selbst zu verwirklichen in externer Validation und Konsum zu suchen, scheint das Modell des zentrierten, sich ausdehnenden ICHs als egoistisch. Das liegt vor allem daran, dass zugleich ein Universum des Mangels vorausgesetzt wird, in dem das, was ich nehme einem anderen fehlt. Es ist uns nicht bewusst, dass diese Prämisse nur hypothetisch ist und zudem den grundlegenden eigenen materialistischen Tatsachen widerspricht, dass die das Universum als unendlich und sich ausdehnend versteht. Wenn Sie sich jetzt nochmal die zweite Skizze ansehen, werden Sie die Parallelen zwischen dem individuellen erlebten Universum und dem physikalischen Universum erkennen.

„Wie oben, so unten“ proklamierten bereits die alten Ägypter und in vielen Systemen, die auf einer genauen Beobachtung der Natur fußen, hat sich dieses Prinzip schon als wahr und hilfreich erwiesen. Wir empfinden unsere menschliche Perspektive als einzigartig in dem Sinne, dass sie irgendwie über den Dingen stehen würde. Aber unsere eigene Natur wie auch die Natur im Ganzen zeigt uns deutlich, dass jede Abspaltung zugleich eine Verstümmelung, eine Eingrenzung bedeutet. Unsere Zivilisationskrankheiten siegeln sich in der Umweltzerstörung und wir kommen nicht weiter umhin unsere etablierten Modi und Ideale infrage zu stellen. Unsere Arbeitswelt, unsere Systeme zur Gesunderhaltung, unsere Ideen zum Streben nach Glück und Entfaltung sind heute, mehr denn je open for debate.

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